„Es gibt immer weniger echte Kerle“, schmunzelt Benjamin Armbruster, „leider.“ Sein Bedauern über den Wandel des Männlichkeitsbildes bezieht sich allerdings vor allem auf seinen Beruf. „Heute einen gut gebauten Schauspieler zu finden, der reiten und kämpfen kann, ist nahezu aussichtslos.“ Er selbst hat mit diesen Anforderungen keine Probleme. Der Stuntman, Rennfahrer und Action-Spezialist ist zuständig für die Choreographien von Kampf- und Fechtszenen am Theater Bielefeld und sorgt seit 1988 bei den Karl-May-Festspielen in Elspe als Winnetou dafür, dass das Gute gewinnt. Für ihn ein absoluter Traumpart. „Als Kind habe ich die Bände von Karl May verschlungen“, so der sympathische Schauspieler. „Dann kam 1962 „Der Schatz im Silbersee“ mit Pierre Brice in die Kinos, den ich mir unzählige Male angesehen habe. Da ich aus einer deutschen Enklave in Siebenbürgen komme, habe ich die Texte für die rumänischen Kinder übersetzt. Wir haben Tipis gebaut und die Geschichten nachgespielt. Wer hätte gedacht, dass ich diese Rolle jemals bekomme.“
Ein Indianer kennt keinen Schmerz In Elspe schätzt er besonders die Zusammenarbeit mit seinem „Widersacher“ Meinolf Pape. „Den nenne ich Brother“, lacht Benjamin Armbruster. „Tausende von Kämpfen und Verletzungen schweißen zusammen. Er hat zurzeit eine gebrochene Rippe und spielt trotzdem.“ Ein Indianer kennt halt keinen Schmerz. Was nicht bedeutet, dass beide leichtsinnig wären. „Ich werde von Kindern immer nach meinem Alter gefragt“, so der 63-Jährige. Wenn die staunen, hat er sein Ziel erreicht, denn der Schauspieler möchte als Beispiel dafür dienen, wie wichtig Bewegung und ein ordentlicher Umgang mit seinem Körper ist. „Ich habe mein Leben lang Sport gemacht und bin fair zu meinem Körper. Ich weiß, für welche Produktion ich welche Muskelgruppen trainieren muss, dazu kommt eine gewisse Basiskondition.“ Die kommt ihm auch zugute, wenn er Jahr für Jahr bei den beliebten Weihnachtsmärchen am Theater Bielefeld mitspielt. Gleich mehrere Vorstellungen am Tag erfordern genauso viel Kraft wie eine Kampf-Choreographie.
Ein perfekter Gentleman Ebenso wichtig wie das tägliche Training ist für Benjamin Armbruster der richtige Umgang mit der Gefahr. „Wenn jemand sagt, er hat keine Angst, dann ist er ein Idiot und lebt nicht lange“, unterstreicht der Action-Profi. „Ich muss mit der Angst umgehen können. Gerade, wenn ich auf einem Pferd sitze, denn jede Unsicherheit überträgt sich automatisch. Die größten Helden waren Angsthasen, aber sie wussten, wie sie damit umgehen sollten.“ Apropos „richtiger Umgang“. Im „normalen“ Leben vermisst Benjamin Armbruster bei den jungen Männern vor allem eins: das Gentleman-Sein. Einer Frau die Tür aufzuhalten oder ihr in den Mantel zu helfen, ist für ihn selbstverständlich. Und er ist stolz, wenn seine unaufdringliche Höflichkeit auch auf seine Schüler abfärbt. „Was freut einen Mann mehr, als dafür zu sorgen, dass sich eine Frau ganz als Frau fühlen kann.“
www.benjaminarmbruster.de
|